Free CeCe

Support Cece McDonald!

Cece McDonald ist eine transgender afroamerikanische Aktivistin aus Minnesota, die 2011 einen rassistischen, transphoben und homophoben Angriff überlebte. Als sie mit Freund*innen nachts an einer Bar vorbeiliefen, wurden sie beschimmpft und schließlich wurde sie mit einem Glas beworfen, welcher ihr eine Schnittwunde im Gesicht zufügte. Die Wunde musste genäht werden. Als der Angreifer ihnen hinterherlief als sie sich von diesem Ort entfernen wollten, verteidigte sie sich mit einer Schere wobei sie versehentlich ihren Angreifer tödlich verletzte. Cece wurde noch am Tatort festgenommen und bekam eine Haftstrafe wegen fahrlässigen Tötens von 41 Monaten, die sie im Männergefängnis absitzen musste.
Daraufhin gab es eine Welle von Protesten, die zunächst erreichten, dass sie ihre notwendigen Hormone im Gefängnis bekam. Die Kampagnen liefen unter dem Namen „Free Cece!“

Aus dem Gefängnis nahm sie in einem Brief Kontakt zu Laverne Cox auf, der sie zu ihrer Rolle in „Orange is the new Black“ gratulierte. Laverne reagierte darauf und begann, eine Dokumentation über Cece zudrehen, welche auf Interviews mit ihr basiert.

Nach 19 Monaten wurde sie schließelich wegen „guter Führung“ freigelassen – wobei sie mittlerweile auch gerade durch Lavernes Engagement große medielle Aufmerksamkeit bekam und weiterhin viele für ihre Freilassung demonstrierten.

Mittlerweile gibt sie viele Interviews und Vorträge in denen sie über die alltägliche und allgegenwärtliche Gewalt gegen Transfrauen*, vor allem women* of colour, informiert und diskutiert.

In einem Bericht der National Coalition of Anti-Violence Programs von 2013 wurde festgestellt, dass 72% aller anti-LGBTQ Morde, Morde an transgender Frauen* war und 89% people of colour.

Die gleiche Ungerechtigkeit geschah – neben vielen weiteren – Eisha Love 2014, die ebenfalls in Selbstverteidigung ihren Angreifer tödlich verletzte, woraufhin sie wegen Mordes ins Gefängnis kam.

So WHAT IS THIS BULLSHIT??!!!

Ich denke, wir alle sollten den alltäglichen Rassismus, Transphobie und Homophobie, die uns alle umgeben, hinterfragen und ihn zur Sprache bringen! Solche gewaltvollen und zusätzlich von staatlicher Seite aus diskriminierende Angriffe sind nämlich Symptome davon, sie stützen sich auf jede gesellschaftlich geteilte Diskriminierung und Herabsetzung.

Queer sein bedeutet, jegliche Unterdrückungsmechanismen die dich umgeben, denen du ausgesetzt bist, und die sich gesamtgesellschaftlich manifestiert haben, abzulehnen und sich dagegen einzusetzen. Cece McDonald und Laverne Cox stechen durch ihr phantastisches politisches Engagement in diesem Beitrag hervor, aber hier sollen all die Menschen zur Sprache gebracht werden, die sich jeden Tag mit Rassismus und Transphobie auseinandersetzen müssen, weil gesellschaftlich noch Meilensteine an Veränderung fehlen, bis alle Menschen so leben können, wie sie sich wohl fühlen – und dafür bedarf es Menschen wie Cece und Laverne!
Also unterstützt ihren Film auf www.freececedocumentary.net , startet eure eigene queere Gruppe, basht Kapitalismus und setzt auch wenn es euch nur vorkommt, als wäre es im Kleinen und unbedeutend, ein Zeichen für Veränderung!

D‘r Sound Kütt nitt?

Rosenmontagsdemo – Für einen alternativen Karneval!
D’r Sound Kütt nitt?

Die traditionelle Rosenmontags-Veranstaltung „D’r Sound Kütt“ fiel in diesem Jahr aufgrund von Anwohnerbeschwerden aus. Die frei zugängliche Karnevalsparty hätte zum 11ten Mal stattgefunden.

Die ausgelassen-friedliche Grundstimmung bei alternativem Musikprogramm ist immer Alleinstellungsmerkmal dieser ehrenamtlich getragenen Freiluft-Veranstaltung gewesen, die zuletzt Besucherzahlen jenseits der 500 verzeichnen konnte. Die Veranstaltung ist unkommerzieller Natur und erfreute sich gerade daher großer Beliebtheit und einem starken Rückhalt seitens ihrer Besucher_innen und Unterstützer_innen.

Im Jahr 2012 zog die Veranstaltung von der Dorotheenstraße auf den Frankenbadvorplatz um. Hier organisierten sich Anwohner_innen gegen das Event.
Für dieses Jahr hatten Stadtverwaltung und Veranstalter_innen im Vorfeld vergeblich nach einer Ausweichlokation für „D’r Sound Kütt“ gesucht. Denn für den Frankenbadvorplatz wollte die Stadt Bonn keine Genehmigung erteilen, da zu befürchten war, dass der Unterlassungsklage der Anwohner_innen Recht gegeben würde. Die Anwohner_innen berufen sich hier auf das Lärmemissionsschutzgesetz. Dieses schreibt öffentlichen Veranstaltungen Grenzwerte der Beschallungslautstärke vor, die, gemessen am Grundpegel derartig großer Menschenversammlungen, realitätsfern sind und den wirkungsvollen Einsatz von Tanzmusik verunmöglichen.

Mit der Demonstration haben wir heute darauf hingewiesen, dass die bestehende Gesetzeslage sowie die umgreifende Regulierungswut konträr zu den Bedürfnissen einer lebendigen Stadt stehen. Wenige Klagende können im Zweifelsfall hunderten, tausenden Menschen den Spaß verderben. Die Ereignisse um die Veranstaltung „ D’r Sound Kütt‘ sind hierbei im Kontext ähnlicher Vorfälle z.B. bei der „Klangwelle“ und des „Kunstgartens“ in Bonn und unzähliger anderer Beispiele bundesweit zu betrachten.

Für stellen uns dieser Politik in den Weg!
Hierzu unsere Rede auf der Demonstration:

Liebe Menschen,

Tage wie diese in denen wir raus gehen, um unseren Protest auf die Straße zu tragen, sind mehr als wichtig. Das Bild einer besseren Gesellschaft, wird nicht der Staat bauen, sondern wir selbst. Ausgrenzungen die uns tagtäglich widerfahren, gilt es systematisch zu bekämpfen, sei es Homophobie, Sexismus oder das Patriarchat. Wir müssen der Welt zeigen, das es nicht ausreicht sich auf den Staat zu verlassen.

Denn weder der Staat, noch irgendeine andere Institution, kann wirklich in unserer Stimme sprechen. Wir fordern nicht, das etwas nur besser wird, wir fordern die befreite Gesellschaft in der jede und jeder nach seinen Maßstäben frei und ohne jegliche Autoritäten leben, lieben und lernen kann. Mit weniger werden wir uns nicht zufrieden geben, wir werden uns auch weiterhin die Freiheit raus nehmen, Klartext zu sprechen was uns hier ankotzt.
Wir wollen Freiräume, in denen wir wir selbst sein können. In denen wir feiern und tanzen können und uns so organisieren können wie wir es wollen. Da hilft es nur die Mauern dieser kapitalistischen Gesellschaft einzureisen.

Das einzige was uns wirklich helfen wird, sind Machtstrukturen dieses Systems abzuschaffen und in eine Welt zu schauen, in der niemand mehr Angst haben muss, so zu sein, wie Mensch ist. Mit der Erschaffung Libertärer Zentren und mehr freien Räumen, gehen wir den Schritt für ein selbstbestimmtes Leben. Gehen wir den Schritt, zu einem Ort, wo wir uns selbstbestimmt aufhalten können. An diesem Ort, werden wir uns selbst organisieren ohne von den Gesetzen des Staates eingeschränkt zu werden. Wir reden hier nicht von einer utopischen Vorstellung, sondern von der Entwicklung einer Lebensrealität.

Wo Geschlecht, Sexualität und Hautfarbe nicht den Ton angeben. Wo wir so sein können, wie wir sind, wo Benjamin und Lukas, Maria und Sophie sich küssen und es keinen juckt. Wo Mensch sich nicht wegen bescheuerter Konstrukte, irgendwo einordnen muss.
Wir sagen was, wenn uns etwas nicht passt.
Das können Kontreuller_innen sein, die einen Obdachlosen in der Bahn beleidigen. Das können Prollo’s im Bus sein, die mich jeden Tag aufs neue nerven. Wenn jemand „behindert“ oder „Schwul“ als Schimpfwort benutzt, gehe ich an die Wand. Wenn Menschen jemanden auf das Aussehen und seine Kleidung reduzieren, wird uns schlecht.

Wir wollen und werden kein Chamäleon sein, das sich stillschweigend in die Verwertungslogik einpasst.
Gegen das Establishment, gegen Ausgrenzende Kackscheiße:

Für mehr frieräume und ein libertäres Zentrum Bonn!

GAY PRIDE WORLDWIDE!

Am 14.02.2015 wollen wahrscheinlich einmal wieder die „besorgten Eltern“ auf die Straße ziehen.

Bei den „besorgten Eltern“ handelt es sich um eine vor allem homophobe und antifeministische Gruppe die es sich zum Ziel gemacht hat, die „gegenwärtige sexuelle Umerziehung“ mit dem ihrerseits proklamierten: „Schulfach-Schwul“ und den darauf folgenden „Geburtenabsturz“ entgegen zu gehen. Doch auch Themen wie der ihrer benannten aktuellen Kurs des: „Raubtierfeminismus“, dem Gender Mainstreaming und der allgemeinen „Frühsexualisierung“ der Kinder steht im Fokus.

Selber definiert sich die Gruppe der „besorgten Eltern“ weder rechts, noch homophob, sondern Bürgernah, die in der Stimme des Volkes sprechen.( Schließlich ginge es einzig, um den Schutz der Kinder.) Sie sind einzig gegen den “Zwang“ des Staates zur Sexualkunde und stellen u.a die These auf, das mit dem Bildungsplan der Intersexuellenvielfalt ihre Kinder Homosexuell gemacht werden sollen.

Hinter den Kulissen der „besorgten Eltern“ steht ein Organisationsteam, das vor allem durch AfD-Nähe auffällt. Bei der letztjährigen Demonstration in Köln, wo es zu einem physischen Übergriff auf Antifaschist_innen kam, sprach Ex-Front-National-Mitglied (FN) Alain Soral, der 2006/2007 für Marine Le Pen den Präsidentschaftswahlkampf organisierte. Auf der Demonstration waren dazu passend Mitglieder der rechtspopulistischen Bürgerbewegung: „Pro Köln“ zu sehen und Unterstützer_innen des Portales „Terra Germania“, die sich zur reichsdeutschen Absetz­bewegung bekennen.

Den Teilnehmern der letzten „besorgten Eltern“ Demonstration in Köln wurden klare Regeln zur Teilnahme vermittelt, wie etwa nicht mit Reportern zu sprechen. Daneben liefen paramilitärisch agierenden private Ordner, die mit Quarzhandschuhe und finsterer Miene um die Demonstration entlang laufen.

Es ist interessant festzustellen, das hinter den „besorgten Eltern“ kein größeres Protestbündnis, sondern ein Organisationsteam mit deutlichem Russland-Bezug steht. Das russische Staatsfernsehen war (wie auch in Köln letzten Jahres) bei allen Protesten dabei, um Bilder des „Widerstandes“ für die Heimat zu produzieren. Bei einer Demonstration im November in Dresden, sprach dazu auch Jürgen Elsässer, Russland-Propagandist des „Compact“-Magazins. Er hatte im Jahr zuvor mit russischer Finanzierung eine „Familien“-Konferenz in Leipzig durchgeführt, an der die Verantwortliche des Homo-“Propaganda“-Gesetzes und eine Vertreterin der französischen Bewegung gegen die Ehe-Öffnung teilnahmen.

Haltet euch auf dem laufenden und kommt zahlreich!

Stoppt FGM!

Heute am 06.02.2015 ist Internationaler Tag gegen die weibliche Genitalverstümmlung:

Flyern in der Bonner Innenstadt

Ungefähr 140 Millionen Mädchen und Frauen sind von weiblicher Genitalverstümmelung betroffen – allein im subsaharischen Teil Afrikas. Auch in Deutschland wird die Zahl auf ca 50 Tausend geschätzt. Weibliche Genitalverstümmelung, oder auf englisch Female Genital Mutilation, ist eine grausame patriarchale Praxis, bei der jungen Mädchen und Frauen alle äußeren Geschlechtsorgane entfernt werden, um ihr Sexualität zu kontrollieren. Lediglich ein Loch zum Urinieren bleibt am Ende übrig. Dies wird meistens ohne jegliche Betäubung oder Desinfektion mit Messern oder Rasierklingen durchgeführt. Viele verbluten dadurch oder sterben an Wundstarrkrampf. Auswirkungen auf Überlebende sind der Verlust jeglichen Lustgefühls, es treten Schmerzen bei der Menstruation, Urinieren, Geschlechtsverkehr und vor allem der Geburt auf.

Wir unterstützen die Forderungen zahlreicher Organisationen nach einem Ende der weiblichen Genitalverstümmelung! Auch in Deutschland und in Europa sollte mehr Aufklärung und Anlaufstellen für Betroffene als Prävention eingesetzt werden! Allen Frauen und Mädchen, die vor FGM geflohen sind, sollte dauerhaftes Asyl gewährt werden!

Niemand regiert die Welt.

Den „Alternativen Wissenskongress“ verhindern!

Gegen Nazis, Rechtspopulisten, Antisemiten und anderen deutschen Verschwörungswahn. Der Querfront eine Absage.

Am Sonntag, dem 22. März 2015, lädt der sogenannte Verein zur Förderung des politischen Dialogs im Wittener Saalbau zwischen 10:00 und 17:15 Uhr zum 1. Alternativen Wissenkongress NRW ein. Der Kongress trägt den Untertitel Demokratie in Gefahr – Wer regiert Deutschland? und wirbt auf seiner Homepage mit den geplanten Referenten Jürgen Elsässer, Karl Albrecht Schachtschneider, Eberhard Hamer und Andreas Popp.

Wir rufen dazu auf, sich dem „Alternativen Wissenskongress“ in den Weg zu stellen!

(Für weitere Informationen: KEIN AWK)

Die Referenten:

Mit Jürgen Elsässer wurde hier der sicherlich einflussreichste Sprecher der deutschen Verschwörungstheoretiker-Szene eingeladen, dessen Bekanntheitsgrad weit über dieses Spektrum hinausragt. Als Journalist und Autor zahlreicher Buchpublikationen konnte sich der ursprünglich der linken Bewegung entstammende Elsässer einen gewissen Bekanntheitsgrad erarbeiten. Seit der Jahrtausendwende driftete er jedoch ins rechte Fahrwasser ab. So fiel er zunehmend durch seine homophoben, nationalistischen und ethnopluralistischen Äußerungen auf und verteidigte etwa die 2009 durchgeführten brutalen Maßnahmen des iranischen Regimes gegen die Oppositionsbewegung mit den Worten: „Gut, dass Ahmadinedschads Leute ein bisschen aufpassen und den einen oder anderen in einen Darkroom befördert haben.“

Auch nach den HoGeSa-Krawallen in Köln im Oktober 2014 zeigte er sich erfreut und schrieb: „Es ist ein großer Schritt nach vorne, dass die Hools sich nicht mehr hauptsächlich gegenseitig verkloppen, sondern gemeinsam etwas für ihr Land tun wollen.“

Der ukrainischen Politikerin Julija Tymoschenko unterstellte Elsässer, eine „Endlösung der Russenfrage“ zu planen. Neben dieser Relativierung der Shoah fiel Elsässer mehrfach durch Argumentationsmuster auf, die man als strukturell antisemitisch bezeichnen kann. Seit Ende 2010 ist er Verleger und Chefredakteur des bundesweit vertriebenen Monatsmagazins Compact, in dem verschiedensten Verschwörungstheoretikern und Rechtspopulisten ein Forum geboten wird. Im Februar 2014 bot Elsässer dem verurteilten Rechts-Terroristen Karl-Heinz Hoffmann ein Podium bei einem Compact-Streitgespräch zum Münchner Oktoberfestattentat 1980, bei dem 13 Menschen getötet wurden.

Einer der Compact-Autoren ist auch der ebenfalls für den Kongress in Witten angekündigte ehemalige Universitätsprofessor Karl Albrecht Schachtschneider, dessen politischer Werdegang von der SPD über die CDU und die Kleinpartei Bund freier Bürger ihn schließlich zu den „Auslandsfreunden der Haider-FPÖ“ führte. Im Jahr 2014 trat er zusammen mit Thilo Sarrazin in einem Werbefilm der FPÖ auf. Auch für Pro NRW und NPD, sowie diverse Burschenschaften war er mehrfach als Referent tätig oder fungierte als Sachverständiger.

Neben Schachtschneider soll mit dem Juristen und Wirtschaftswissenschaftler Eberhard Hamer ein weiterer ehemaliger Hochschuldozent im Saalbau auftreten. Hamer vertritt die These, dass die ominöse „Ostküste“ für die Finanzkrise verantwortlich sei und eine Abschaffung der Demokratie vorbereiten würde. Hierbei bedient er sich antisemitischer Stereotype, etwa wenn er die Federal Reserve Bank als strippenziehende Spinne im Geflecht der „internationalen Hochfinanz“ bezeichnet und explizit darauf hinweist, dass zu den Gründungsmitgliedern der FRB die Banken der Familien Rockefeller und Rothschild gehörten.

Als vierter im Bunde wird der Referent Andreas Popp angekündigt. Popp ist maßgeblicher Initiator der Wissensmanufaktur (auch „Institut für Wirtschaftforschung und Gesellschaftspolitik“) bei dem auch Schachtschneider Mitglied ist und fiel in der Vergangenheit vor allem durch seine Teilnahme an der so genannten Anti-Zensur-Koalition-Konferenz (AZK-Konferenz) des Schweizer Sektengründers und Befürworters des Gaddafi-Regimes Ivo Sasek auf. Außerdem ist er Vertreter der Ansicht, das Deutsche Reich sei von den Alliierten annektiert worden, und die „so genannte“ Bundesrepublik Deutschland sei kein legaler Staat. Gerade diese Theorie lässt ihn als Referent für den Alternativen Wissenskongress als besonders geeignet erscheinen, da zu erwarten ist, dass er bei der Frage nach der „wirklichen Regierung“ kein Blatt vor den Mund nehmen wird.

Die Organisator_innen
Ursprünglich sollte das illustre „Festival der Verschwörungstheorie“ von den fünf nordrhein-westfälischen Bezirksverbänden der Alternative für Deutschland veranstaltet werden. Nachdem die Bezirksverbände der AfD aufgrund öffentlichen Drucks und einer Distanzierung des um ein bürgerliches Image bemühten AfD-Bundessprechers Bernd Lucke Anfang November 2014 einen Rückzieher machten und nun nicht mehr öffentlich als Veranstalter des Kongresses auftreten werden, ist nun der oben genannte Förder-Verein in die Bresche gesprungen, dessen Vorsitzender sich allerdings bei genauerer Betrachtung als Udo Hemmelgarn aus Harsewinkel entpuppt, welcher wiederum AfD-Kreis- und Bezirksvorsitzender der Stadt Gütersloh ist. Man kann also weiterhin mit Recht sagen, dass hier eine rechtspopulistische Partei, die ihre Basis in der Mitte der Gesellschaft verortet und hier große Zustimmung findet, versucht in einem Millieu Fuß zu fassen, welches auch eine Zusammenarbeit mit extrem rechten Gewalttätern wie der HoGeSa nicht ausschließt und sich generell als anschlussfähig für selbsternannte „Querdenker“ unterschiedlichster Couleur präsentieren will.

Das Programm
Mit der angemieteten Lokalität in Witten stehen den Veranstaltern und Referenten Räumlichkeiten zur Verfügung, in denen bis zu 800 Gäste Platz finden könnten, um sich der Frage zu widmen, wer denn nun Deutschland eigentlich wirklich regiert. Denn die formulierte Fragestellung im Untertitel der Veranstaltung und der Eigenanspruch, hier alternatives Wissen vermitteln zu wollen, lässt ahnen, dass man sich nicht mit scheinbaren Gewissheiten wie etwa dem Hinweis auf Frau Merkel und die gewählte Bundesregierung abspeisen lassen wird. Als mögliche Alternativ-Antworten bietet das prominente „Quattro Infernale“ eine Auswahl aus Medien, EZB, ESM, Großkonzernen und Banken an. Es kann nur vermutet werden, dass die Referenten hier keine der unter Verdacht stehenden Platzhalter freisprechen oder sich auf eine bestimmte Institution festlegen werden, sondern diese angeblich Deutschland beherrschenden Mächte wiederum nur als wirkmächtige Instrumente einer übergeordneten „Schattenregierung“, die im Hintergrund die Fäden ziehe, präsentieren werden.

Ignorieren ist keine Alternative: Nazis enttarnen und angreifen!
Auch wenn die von den Referenten vertretenden Thesen und Positionen jedem denkenden Menschen eigentlich als haltlos, absurd und paranoid erscheinen sollten, gibt es ein wachsendes Publikum, dessen zunehmende Verunsicherung in einer immer unübersichtlicher erscheinenden Welt durch einfache Lösungen befriedigt werden will. Die bundesweite Präsenz der unterschiedlich gut besuchten „Friedensmahnwachen“ in den letzten Monaten zeigen, welches Potential in den „alternativen“ Erklärungsansätzen der „Aluhut-Fraktion“ steckt.

Da Elsässer nach den Hooligan-Krawallen von Köln auf seinem Blog öffentlich verkündete: „Wenn ich was zu sagen hätte, würde ich einen von HoGeSa als Redner zur nächsten Demo für Frieden und Souveränität einladen.“ ist nicht nur beim geplanten Kongress in Witten damit zu rechnen, dass die Bewegung künftig weiteren Zulauf aus der gewaltbereiten Nazi-Szene bekommen wird. Die Chance, den Auftritt der ihnen wohlgesonnen Referententruppe in ihrer Heimatstadt live erleben zu können, werden sich die lokalen Rechtsaußen-Kader und ihre Gefolgschaft wohl kaum entgehen lassen: So nahm z. B. auch der ehemalige NRW-Landessprecher der NPD-Jugendorganisation JN Christoph Thomas Schmidt bei der HoGeSa-Kundgebung in Hannover teil. Der heute 26-jährige Schmidt sitzt seit der Kommunalwahl 2014 für die rechtspopulistische Partei Pro NRW im Wittener Stadtrat und trat in der Vergangenheit häufig als Redner auf Demonstrationen in Erscheinung.

Verschwörung muss praktisch werden: „Wissenskongress“ verhindern!
Dass der prominente Oberguru Jürgen Elsässer, welcher nicht nur über seine eigene bundesweit vertriebene Zeitschrift Compact, sondern auch über den vom Kreml finanzierten Fernsehsender RT (ehemals Russia Today) ohnehin einen gewissen publizistischen Einfluss für sich verbuchen kann, im Verbund mit anderen Verschwörungstheoretikern durch das nur halbherzig kaschierte Engagement von Mitgliedern der sich seriös gebenden Alternative für Deutschland die Gelegenheit bekommen soll, öffentlich in einem großen Stadtsaal seine strukturell antisemitischen Welterklärungsmodelle ans „Volk“ zu bringen und rassistische Krawalle zu verharmlosen, schreit geradezu nach einer praktisch wirksamen Verschwörung.

Der zu erwartenden Querfront aus angeblichen Friedensfreunden, Konspirationstheoretikern, bürgerlichen Rechtspopulisten, Neo-Nazis und anderen Antisemiten in Witten kann mit Aufklärung und rationalen Argumenten allein nicht entgegengetreten werden.

Deshalb gilt es am 22. März und darüber hinaus in Witten und an jedem anderen Ort zu zeigen, dass es keine mysteriösen Hintermänner braucht, um den Spielraum der vermeintlichen Enthüllungsjournalisten einzuschränken. Vielmehr sollte es einen breiten auch von der Verschwörungsszene vielgepriesenen Protest der Straße geben, um zu zeigen, dass es keinen öffentlichen Raum für die Allianz der deutschtümelnden Wahnwichtel geben darf.

Daher rufen wir hiermit am 22. März 2015 zur Blockade des Wittener Saalbaus auf. Der „1. Alternative Wissenskongress NRW“ muss nachhaltig verhindert werden.

Kein Raum für Nazis und andere Wahnwichtel – Verschwört Euch!