Feminismus oder Barbarei.

Wir finden es wichtig am internationalen Frauen*kampf Tag, darauf aufmerksam zu machen, wie wenig heute Frauen öffentlich ihrer selbst und ihrer Arbeit gewürdigt werden. Daher haben wir heute Nacht einige Botschaften an Statuen, die wichtige Männer würdigen sollen, hinterlassen. Folgendes haben wir als Pressemitteilung an den GA, den Express und Schaufenster gesendet…

„Beethoven war ein guter Musiker und ist deswegen wichtig für Bonn. Mit unserer Kritik wollen wir nicht ihn als Person oder seine Musik kritisieren, sondern in welcher begünstigten Position er als Mann war, um überhaupt erst berühmt werden zu können. Die Tätigkeit von Frauen rückt geschichtlich gesehen oft in den Hintergrund, weil ihre Arbeit meistens auf Haushalt und Familie reduziert war. Damit dies nicht vergessen wird, halten wir es für sinnvoll, dass ihre Tätigkeiten öffentlich respektiert oder zumindest nicht bei der Würdigung berühmter Männer vernachlässigt wird.

In Anbetracht der Statur Ernst Moritz Arndts am Alten Zoll, fragen wir uns, wie es sein kann, dass immernoch ein Nationalist und Antisemit, der außerdem Französ*innen als die „bösen Juden“ beschimpfte, im öffentlichen Raum geehrt wird. In der Zeit des Nationalsozialismus‘ wurde Arndt auf Grund dieser Ansichten hoch angesehen, worauf auch die Namensgebung verschiedener Schulen (z.B. das Ernst-Motitz-Arndt Gymnasium Bonn) und Universitäten zurückzuführen ist.

Wir schlagen vor, dass wenn überhaupt, seine Erkenntnisse und Arbeiten, aber nicht er als Person gewürdigt werden. NS-kritische Personen sollten unserer Meinung nach im öffentlichen Raum mehr Platz erhalten. Isa Vermehren zum Beispiel studierte, unterrichtete und starb in Bonn (2009). Ihre Regime und Nationalismus Kritik äußerte sich in ihren Liedern, Kabarettstücken und ihrer Arbeit in der Wiederstandsgruppe „Solf Kreis“. Vermehren wurde verhaftet und in die Konzentrationslager Ravensbrück, Dachau und Buchenwald verschleppt.

Der Obelisk am Markt ließ 1777 Kurfürst Maximilian Friedrich von Königsegg-Rothenfels zu seiner Würdigung bauen. Die Kosten mussten von den Bürger*innen von Bonn getragen werden. Wir respektieren den historischen Wert der Marktfontaine, allerdings ist sie erneut auf eine öffentliche Darstellung (zudem in einer Phallus Form) eines Mannes in einer hervorgehobenen Position zurückzuführen. Wir wollen, dass diejenigen, die in Bonn etwas für die Menschen taten, geehrt werden, anstatt diejenigen, die sie ausbeuteten. Beispielsweise Klara Marie Faßbinder (1890-1974), eine Frauen und Friedensaktivistin, die sich zudem für eine deutsch-französische und eine west-östliche Verständigung einsetzte. Aufgrund dieser Aktivitäten wurde ihr 1953 ihr Lehrauftrag an der PH Bonn entzogen und 1955 wurde sie in vorzeitigen Ruhestand versetzt.

Sie und viele weitere wunderbare Frauen* haben unserer Meinung nach eine ähnliche Würdigung wie Beethoven, Ernst Moritz Arndt oder jegliche Kurfürsten in Bonn verdient, und das schon seit einer Weile – Es ist Zeit, dass Frauen* mehr öffentlicher Raum und Respekt zugestanden wird!

,,Hier wird ein ausbeutender, sexistischer Fürst geehrt!“

Kurfürst Maximilian Friedrich von Königsegg-Rothenfels ließ diesen Obelisken am Marktplatz nämlich 1777 zu seinem gedenken errichten – natürlich auf kosten der Bevölkerung Bonns. Sexistisch bezeichnen wir besagten fürsten, weil eine öffentliche Selbstdarstellung in dieser (phallus-)form darauf schließen lässt, dass er sich gerne über andere Personen gestellt sieht, allen voran natürlich Frauen*, die in den kulturen im westeuropäischen Gebiet in den Hierarchien normalerweise ganz unten waren. Außerdem kann antisexismus unserer meinung nach nur antiautoritär sein.

„Wo wird Klara m. Faßbinder – Frauen- und Friedensaktivistin – geehrt?“

wir finden, dass statt oder zumindest zusätzlich zu Würdigungen von fürsten auch grade Personen, die die Zukunft unserer Gesellschaft positiv mitgestalteten, öffentlich gewürdigt werden sollten – oder um keinen Personenkult zu veranstalten eben ihre arbeit. hauptsächlich wollten wir aber darauf aufmerksam machen, dass in bonn und wahrscheinlich den meisten anderen Städten Huldigungen von Personen ungleich abgebildet sind – alles historisch erklärbar, natürlich natürlich, dann ist es unserer Meinung aber an der zeit, dass eine Veränderung stattfindet, wenn wir doch heute nicht mehr in einer sexistischen Gesellschaft leben!

„Ich konnte nur berühmt werden, weil ich als mann öffentlich anerkannt war!“

Beethoven war ein bedeutender Musiker und sollte als solcher nicht vergessen werden. Auf der anderen Seite sollte jedoch auch nicht vergessen werden, dass er es als Frau* niemals geschafft hätte, diesen Status zu erlangen – abgesehen davon, dass er auf die Unterstützung im Haushalt auf Frauen* angewiesen war, um seiner Tätigkeit überhaupt so intensiv nachgehen zu können.

„Wir brauchen öffentliche Würdigungen der Tätigkeit von Frauen*“

Weil Frauen* aufgrund gesellschaftlicher Verhältnisse nicht auf gleiche weise wie Männer in die Öffentlichkeit gehen konnten, wird ihr dasein und ihre Tätigkeit, wenn wir von geschichtlichen Geschehnissen sprechen, meistens verschwiegen – sie werden unsichtbar. Dabei war ihre Arbeit keineswegs weniger bedeutend, als die einzelner Persönlichkeiten – Frauen, die im Haushalt arbeiteten/arbeiten sorgen für die Grundlage jeglicher gesellschaftlicher Ereignisse. Das sollte sichtbar gemacht werden um in unser Bewusstsein zu gelangen

„Ich war Nationalist, Antisemit und Sexist!“

Ernst Moritz Arndt wurde unter anderem von den Nationalsozialisten eben aufgrund oben genannter Einstellungen gehuldigt – daher auch die Namensgebung des e.m.a. Gymnasiums in Bonn (1938). Wir fragen uns, warum er trotzdem noch so eine Würdigung erhält, wie in der Statue am: „alten Zoll“ oder in dem e.m.a. haus – viele Leute haben tolle Erkenntnisse hervorgebracht, ohne scheiße zu sein.

Abgesehen davon sollte es nicht verschwiegen werden und als historische Begebenheit angesehen werden, dass Leute nationalistisch, antisemitisch, rassistische, sexistische, homophob oder trans*phob oder sonstwie scheiße gewesen sind – wir können Sachen nur verändern, wenn wir sie auch ansprechen.

„Hier sollte isa vermehren (ns-kritikerin) öffentlichen Raum bekommen!“

Statt Krieg sollten wir dem Frieden gedenken, welcher keine Selbstverständlichkeit ist.
Als Alternative zu Ernst Moritz Arndt dachten wir uns, dass Isa Vermehren, welche NS kritischen kabarett machte, der Widerstandsgruppe „Solf“ angehörte und dafür ins KZ deportiert wurde. Sie hat in Bonn gearbeitet und ist hier gestorben, der Bezug ist also da – wo ein Wille ist, ist ein Weg.

In Bonn müssen nicht nur kriegstreiberische instrumente (Kanonen), Antisemiten und Rassisten oder ausschließlich weiße, heterosexuelle Männer geehrt werden – wenn Personenkult schon sein muss, dann wenigstens von Menschen, die für etwas fortschrittliches stehen!