D‘r Sound Kütt nitt?

Rosenmontagsdemo – Für einen alternativen Karneval!
D’r Sound Kütt nitt?

Die traditionelle Rosenmontags-Veranstaltung „D’r Sound Kütt“ fiel in diesem Jahr aufgrund von Anwohnerbeschwerden aus. Die frei zugängliche Karnevalsparty hätte zum 11ten Mal stattgefunden.

Die ausgelassen-friedliche Grundstimmung bei alternativem Musikprogramm ist immer Alleinstellungsmerkmal dieser ehrenamtlich getragenen Freiluft-Veranstaltung gewesen, die zuletzt Besucherzahlen jenseits der 500 verzeichnen konnte. Die Veranstaltung ist unkommerzieller Natur und erfreute sich gerade daher großer Beliebtheit und einem starken Rückhalt seitens ihrer Besucher_innen und Unterstützer_innen.

Im Jahr 2012 zog die Veranstaltung von der Dorotheenstraße auf den Frankenbadvorplatz um. Hier organisierten sich Anwohner_innen gegen das Event.
Für dieses Jahr hatten Stadtverwaltung und Veranstalter_innen im Vorfeld vergeblich nach einer Ausweichlokation für „D’r Sound Kütt“ gesucht. Denn für den Frankenbadvorplatz wollte die Stadt Bonn keine Genehmigung erteilen, da zu befürchten war, dass der Unterlassungsklage der Anwohner_innen Recht gegeben würde. Die Anwohner_innen berufen sich hier auf das Lärmemissionsschutzgesetz. Dieses schreibt öffentlichen Veranstaltungen Grenzwerte der Beschallungslautstärke vor, die, gemessen am Grundpegel derartig großer Menschenversammlungen, realitätsfern sind und den wirkungsvollen Einsatz von Tanzmusik verunmöglichen.

Mit der Demonstration haben wir heute darauf hingewiesen, dass die bestehende Gesetzeslage sowie die umgreifende Regulierungswut konträr zu den Bedürfnissen einer lebendigen Stadt stehen. Wenige Klagende können im Zweifelsfall hunderten, tausenden Menschen den Spaß verderben. Die Ereignisse um die Veranstaltung „ D’r Sound Kütt‘ sind hierbei im Kontext ähnlicher Vorfälle z.B. bei der „Klangwelle“ und des „Kunstgartens“ in Bonn und unzähliger anderer Beispiele bundesweit zu betrachten.

Für stellen uns dieser Politik in den Weg!
Hierzu unsere Rede auf der Demonstration:

Liebe Menschen,

Tage wie diese in denen wir raus gehen, um unseren Protest auf die Straße zu tragen, sind mehr als wichtig. Das Bild einer besseren Gesellschaft, wird nicht der Staat bauen, sondern wir selbst. Ausgrenzungen die uns tagtäglich widerfahren, gilt es systematisch zu bekämpfen, sei es Homophobie, Sexismus oder das Patriarchat. Wir müssen der Welt zeigen, das es nicht ausreicht sich auf den Staat zu verlassen.

Denn weder der Staat, noch irgendeine andere Institution, kann wirklich in unserer Stimme sprechen. Wir fordern nicht, das etwas nur besser wird, wir fordern die befreite Gesellschaft in der jede und jeder nach seinen Maßstäben frei und ohne jegliche Autoritäten leben, lieben und lernen kann. Mit weniger werden wir uns nicht zufrieden geben, wir werden uns auch weiterhin die Freiheit raus nehmen, Klartext zu sprechen was uns hier ankotzt.
Wir wollen Freiräume, in denen wir wir selbst sein können. In denen wir feiern und tanzen können und uns so organisieren können wie wir es wollen. Da hilft es nur die Mauern dieser kapitalistischen Gesellschaft einzureisen.

Das einzige was uns wirklich helfen wird, sind Machtstrukturen dieses Systems abzuschaffen und in eine Welt zu schauen, in der niemand mehr Angst haben muss, so zu sein, wie Mensch ist. Mit der Erschaffung Libertärer Zentren und mehr freien Räumen, gehen wir den Schritt für ein selbstbestimmtes Leben. Gehen wir den Schritt, zu einem Ort, wo wir uns selbstbestimmt aufhalten können. An diesem Ort, werden wir uns selbst organisieren ohne von den Gesetzen des Staates eingeschränkt zu werden. Wir reden hier nicht von einer utopischen Vorstellung, sondern von der Entwicklung einer Lebensrealität.

Wo Geschlecht, Sexualität und Hautfarbe nicht den Ton angeben. Wo wir so sein können, wie wir sind, wo Benjamin und Lukas, Maria und Sophie sich küssen und es keinen juckt. Wo Mensch sich nicht wegen bescheuerter Konstrukte, irgendwo einordnen muss.
Wir sagen was, wenn uns etwas nicht passt.
Das können Kontreuller_innen sein, die einen Obdachlosen in der Bahn beleidigen. Das können Prollo’s im Bus sein, die mich jeden Tag aufs neue nerven. Wenn jemand „behindert“ oder „Schwul“ als Schimpfwort benutzt, gehe ich an die Wand. Wenn Menschen jemanden auf das Aussehen und seine Kleidung reduzieren, wird uns schlecht.

Wir wollen und werden kein Chamäleon sein, das sich stillschweigend in die Verwertungslogik einpasst.
Gegen das Establishment, gegen Ausgrenzende Kackscheiße:

Für mehr frieräume und ein libertäres Zentrum Bonn!