Archiv für April 2014

Von Bilderberger, der NWO, Chemtrails und den Rothschilds.

Keine Klassenfeinde, keine „Homolobby“, keine Banker_innen, Lobbyist_innen oder andere „Großmächte!“

Zur Begrifflichkeit einer vereinfachten Kapitalismuskritik:

Nicht jede Kritik am System der kapitalistischen Vergesellschaftung ist fortschrittlich.
So wie der Antikapitalismus der Nationalsozialisten nicht ernst genommen wurde, so wenig wird heutzutage eine reaktionäre Kritik an der bürgerlichen Gesellschaft zur Kenntnis genommen, wie sie z.B von Neonazis formuliert wird. Es geht nicht um die Bewahrung der Errungenschaften der Aufklärung und der bürgerlichen Demokratie, sondern darum, ein vormodernes Gesellschaftsideal zu etablieren. Die befreite Gesellschaft* Inder nicht gegen Individualismus, westliche Dekadenz und das Finanzkapital gehetzt wird.

Die Kritik am Finanzkapital steht meist im Zentrum einer regressiven Kaptialismuskritik, was die Totalität des kapitalistischen Systems verkennt. Bei Nazis zeigt sich im “raffendem Kapital” und “schaffendem Kapital”. Das “raffende Kapital” wurde mit den Jüd_innen in Verbindung gebracht, als bodenlos und kosmopolitisch verleumdet. Dies ist die offene Flanke zum Antisemitismus. Das heißt nicht, dass jede Kritik an der Börse o.ä. antisemitisch sei. Dennoch läuft eine Hetze gegen “die da oben” immer Gefahr, die Systemkritik zu personalisieren und dadurch die kapitalistische Vergesellschaftung nicht als „gesellschaftliches Verhältnis“ (Marx) mit abstrakten Zwängen zu begreifen, sondern die konkreten Akteure als persönlich Verantwortliche für Elend, Armut und Ausbeutung auszumachen.

Eine Welt die sich in „Gut und Böse“ einteilt, um sich dann auf die Seite der vermeintlich Unterdrückten zu stellen ignoriert somit die geopolitschen und komplexen Verhälltnisse und es entsteht der Glaube einer moralischen Überlegenheit.

Antisemitismus, mitten in der Gesellschaft und nicht nur rechtsaußen:

Ein großer Teil der internationalen Gemeinschaft hat Israel als ihren Hauptfeind erwählt und auch in Deutschland sind antisemitische Übergriffe wieder im kommen. Unter einer derartige Konstellation und der historischen Notwendigkeit eines jüdischen Staates nach der Shoa, sollte eine Solidarität mit dem einem Schutzraum für Jüd_Innen zum Standard eines jeden Menschen gehören.
Israel ist dort Herrschaft und Befreiung in einem: Alle Staaten sind Staaten des Kapitals, und alle haben sie den Zweck, den Fortgang der Kapitalakkumulation in ihrem Herrschaftsbereich sicherzustellen – Israel bildet da keine Ausnahme.

Darüber hinaus – und sogar in erster Linie – hat der Staat Israel aber eine Aufgabe, die ihn von allen anderen Staaten unterscheidet: Der Staat der Jüd_innen wurde gegründet, um das Leben der Jüd_innen vor den Angriffen diverser Antisemit_innen zu schützen – sie macht auch den Erfolg der zionistischen Idee zur Existenzbedingung für die Überlebenden. Lange nicht alle Jüd_innen sind Bürger_innen Israels oder wollen das werden, aber alle Jüd_innen haben seit 1948 einen Ort, der sie aufnehmen wird, wenn sie verfolgt werden; einen Ort, an dem sie bedingungslos verteidigt werden, wenn sie massiven Bedrohungen ausgeliefert sind.

Denn die Geschichte antisemitischer Verfolgung endete nicht mit der Niederschlagung des Nationalsozialismus und gerade in Deutschland offenbaren sich immer wieder traditionelle Denkmuster, die den antisemitischen Konsens der breiten Bevölkerung verdeutlichen.
Die fortlaufende Infragestellung des israelischen Staates ist immer antisemitisch konnotiert und stellt somit immer wieder auch das Leben von Jüd_innenn in Frage. Die Verneinung auf Verteidigung liefert Jüd_innen wieder der Willkür antisemitisch geprägter Gesellschaften aus und zum anderen auch der direkt propagierten Vernichtung, sowie dem bekannten antisemitischem Terror.

Einseitige „Kritik“ an Israel ist – gerade in Deutschland – beliebt. Während niemand gegen die Angriffe mit Kassam-Raketen oder Selbstmordattentate demonstriert, ist jedes tatsächliche oder vermeintliche „Vergehen“ Israels ein Grund für negative Berichterstattung oder die nächste „antizionistische“ Demonstration. Während die Offensive im Gazastreifen ein hohes Maß an medialer Aufmerksamkeit auf sich zieht, bleiben die zahllosen Kriege in anderen Weltregionen weitgehend unbeachtet. Es scheint also weniger um das Leid der betroffenen Menschen in Gaza zu gehen, als oft darum, Israel zu „kritisieren“. Somit handelt es sich um einen antisemitischen Reflex.
Es muss dagegen festgehalten werden, dass der Staat Israel eine Notwendigkeit ist, solange die Welt nationalstaatlich organisiert ist und solange es Antisemitismus gibt. Dies schließt natürlich die Verteidigung des jüdischen Staates mit Waffengewalt ein.

Die Judenverfolgung als solche, die ihren Höhepunkt bekanntlich in Auschwitz fand und geschichtsperspektivisch niemals endete, verweist also bis heute auf die Notwendigkeit der Auseinandersetzung, der Entstehung und der Ursache eines scheinbar nie untergehenden Antisemitismus. In der Aufarbeitung des Nationalsozialismus, geht es bis heute oft darum, das auf der Hand liegende Subjekt von sich zu schieben. Von: „Opa war kein Nazi!“ bis „ Wir wollen davon nichts mehr hören!“ driftet ein Großteil der deutschen Bevölkerung in tiefsinniges Schweigen ab. Ob mit voller Absicht oder Unbewusst, reproduzieren sie damit oft bestehende Antisemitismen. Die typische scheinbare Leidensfigur der bösen Alliierten, der zivilen Opfer, die Unwissenheit, dem Vergleich zu anderen Geschehnissen und des deutschen Leidens zeigt die Abwehrhaltung eines Menschen, der die von den Nazis begangenen Verbrechen reinwaschen will. Ebenso das was begangen war, nun doch als Unrecht empfindet und darum abwehrt. Wäre dies aber nicht der Fall, so bräuchte man nicht den Eifer einer Distanzierung.

Kommt man nun einmal auf das Thema Israel zu sprechen, fühlen sich viele Menschen befreit von Ihrer Verantwortung, die sie selber als nachkommen womöglich ziehen müssten. In allem ergibt sich, dass das Wort: „Jude!“ durch „Zionist!“ ersetzt wurde, indem Falle man nun endlich auch einmal die „Zionisten“ angreifen könne, ohne dabei ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Diese Israelkritik verbreitet sich immer mehr, zu einer antizionistischen Weltanschauung, die schnell eine Gleichsetzung von Zionismus mit dem Nationalsozialismus beinhaltet. Bis heute ist es also im kommen „die da oben“, die Großbanker, Kriegstreiber oder Schänder der „Nationalen Identität“ anzugreifen. Wer denn mit „die da oben“ im Sinne gemeint ist, ist vielen dann schnell dann doch nicht mehr klar. Zieht man Bilanz bewahrheitet sich somit oftmals das Paradigma: „Das vor allem die deutsche Mehrheitsbevölkerung den Juden Auschwitz niemals vergeben wird.“

Die KZ inhaftierte Jüdin Hana Lévi-Hass schrieb dazu in ihrem Tagebuch:

„ In uns lebte die unklare Vorstellung, nach Auschwitz müsse alles anders, besser werden. Die Menschlichkeit würde unsere Erfahrungen als Lehre aufnehmen. Dann mussten wir spüren, dass sie sich gar nicht dafür interessiert. Leeres, aufdringliches Mitleid, das wir stattdessen fühlen, gleicht nur zu oft einer Flucht in konventionelle Gefühle – ja erweckt den Eindruck von Unehrlichkeit.“

„Ich möchte gerne wissen, was uns fähig macht, hier so ruhig dieser Erzählung zuzuhören und dabei so zu tun, als hätten wir einen klaren Kopf. Ich möchte wissen, wie wir zu solch einer Leistung fähig werden, wo man eigentlich heulen müsste. Wie können wir den Leuten vorwerfen, dass sie damals nicht geweint haben, als ihre Nachbarn verschleppt worden sind, wenn wir hier selbst so kühl und gelassen sitzen.“

Bonn gib acht; wir kommen um zu stören!

Wir kommen um zu stören, gegen Verschwörungsideolog_Innen, Antisemitismus und vereinfachte Kapitalismuskritik!

Samstag 26 April, 13.00 Uhr – Friedensplatz Bonn

Am kommenden Samstag findet in der Bundesrepublik, darunter auch Bonn eine Demonstration unter dem Motto:“ Aufruf zum friedlichen Widerstand für Frieden! In Europa! Auf der Welt! Für eine ehrliche Presse und für eine echte Demokratie!“ statt. Als Sprechrohr gilt in diesem Zusammenhang oft der Verschwörungsideologe Ken Jebsen (KenFM) der u.a durch antisemitisch Ressentiments in die Öffentlichkeit tritt. Neben der Zeitung: „Compact“ nutzen auch „Chemtrailverschwörungsideolog_innen“ gegen die „NWO“, besorgte Eltern gegen die „Homolobby“, PRO NRW, die rechtsoffene Partei der Vernunft und diverse Antisemit_innen gegen „Rothschilds“ und die „Deutschland GmbH“ diese Plattform um ihre Meinung dar zu stellen. So kam es vor 2 Wochen zu einem Verbalen und kurzzeitigen Übergriff auf Antifaschist_innen in Köln auf der „StopWatchingUS-Demonstration“ in Köln. Indem viele Gruppierungen und Einzelpersonen auftraten die auch für die kommende Demonstartion in Bonn werben. U.a sprach Mario el Toro dort sinngemäß davon: „Unser Himmel werde durch Chemtrails vergiftet und die Bilderberger unterdrücken uns (…)“. Kurzzeitig danach wurde ein jüdischer Genosse bedrängt: „Warum die Juden den Imperialismus und die Ausbeutung vorantreiben würden?“ und: „ … Man hätte ja nichts gegen Juden, aber diese hätten halt eben angefangen mit den Rothschilds zusammen zu arbeiten…

Wir sagen: Keinen Schritt weiter, kommt am Samstag den 26. April, um 13.00 Uhr zum Friedensplatz in Bonn und teilt ihnen mit das wir Verschwörungsideolog_innen, Antisemitismus, verkürzte Kapitalismuskritik und Homophobie nicht tolerieren.

Besetzen fetzt – Hambacher Forst bleibt!

Die Antihomophobe Aktion Bonn solidarisiert sich mit dem Hambacher Forst. Am Samstag Morgen trafen wir uns mit ca. 50 Menschen und protestierten für den Erhalt des Hambacher Forstes und gegen die Förderung und Verstromung von Braunkohle durch RWE. Wir trugen unsere Solidarität mit dem
ausdauernden Widerstand der Wald- und Wiesenbesetzer_innen im Hambacher Forst bei Köln auf die Straße.
Dort wurde die Waldbesetzung am 27.3. erneut von der Polizei geräumt, doch nach der dritten Waldbesetzung steht eines fest:
Die vierte Waldbesetzung und zwar am 26.4.14!

Bei der Auftaktkundgebung am Kaiserplatz wurde deutlich gemacht, wie groß das Ausmaß der Zerstörung durch die
Stromgewinnung aus Braunkohle ist. Sie ist der dreckigste Energieträger, den wir kennnen. Bei der Verbrennung von
einer Tonne Braunkohle wird eine Tonne CO2 frei. Die Tagebau sind bis zu 400m tief, das Grundwasser muss auf
500 m abgepumpt werden. Ganze Dörfer müssen den Baggern weichen. Und eben auch der Hambacher Forst, eine der
letzten ökologischen Oasen im Rheinland! Von den ursprünglich 5500 ha sind nur noch ca. 1000 ha übrig und jedes
Jahr von Oktober bis Februar wird der Wald ein Stück mehr zur Todeszone.
Zur Zeit sind 17 weitere Kohlekraftwerke im Bau bzw. in Planung. 2013 wurde so viel Braunkohle verbrannt
wie seit 20 Jahren nicht mehr! Energiewende?

Die Aktivist_innen im Hambacher Forst haben nach noch keiner Räumung ihren Widerstand gegen diese unfassbare
Umweltzerstörung aufgegeben. Und wir rufen gemeinsam mit ihnen dazu auf am 26.4 den Hambacher Forst massenhaft
und entschlossen neu zu besetzen!

Unser kraftvoller und bunter Protest erreichte bei strahlendem Sonnenschein viele Bonner_innen in der Innenstadt
und auf dem Altstadt Flohmarkt. Außerdem baute die Gruppe antiatom-Bonn das gelbe X der Bewegung am Hauptbahnhof auf und
widmete es diesmal dem Hambacher Forst. Es wird noch bis zum 26.4., dem Tag der Wiederbesetzung dort stehen.

Wir können nicht von Freiheit reden, solange wir nicht alle frei sind!

Aktiv oder passiv?

Wie frei ist der Sex unter Homosexuellen Männern*?

Es ist nicht männlich, jemanden zu ficken, es ist nicht männlich, gefickt zu werden – es ist im besten Falle Spaß und sexuell befriedigend.
Für die sexuelle Rolle, für die man sich angeblich entscheiden muss, schreibt überkommene Verhaltensweisen in der Lebensrealität vor.

Wäre man ein unbeteiligter Beobachter, der durch die Profile von schwulen Männern auf den vielen (wenigen) Datingportalen, die es auf dem Markt gibt, surft, würde man wohl relativ schnell merken, dass es zwei Ausführungen schwuler Körper zu geben scheint. Die eine Version legt sich gerne hin, der andere gerne oben drauf. Klingt plump, oder?

Aber so plump ist es auch. Die Idee von „Top“ und „Bottom“ ist nämlich eigentlich eine Ideologie. Eine Ideologie, die nur oberflächlich so aussieht, als wäre sie der Ausdruck individueller sexueller Präferenzen. Eigentlich geht sie aber viel tiefer. Ähnlich wie die beiden Pole „männlich“ und „weiblich“ geht mit der Dynamik zwischen „top“ und „bottom“ eine ganze Menge an Attributen einher, die wir unterbewusst auf andere projizieren. Wir sind wie wir ficken, angeblich.

Top for cuties, bottom for hunks?

Die simple Aussage „top for cuties, bottom for hunks“ klingt erstmal nach einer ziemlich emanzipierten Stellungnahme, bricht sie doch das starre Gespann „oben“ oder „unten“ auf und bringt ein bisschen Dynamik in die ganze Angelegenheit – aber nur oberflächlich.
Wie liest sich denn „top for hunks, bottom for cuties“? Erstmal komisch. Indem man sich in Relation zum Gegenüber in neuen Kategorien („cutie“, „hunk“) bedient, um die Rollen beim Sex im Vorfeld auszuknobeln, macht man zwar die Breite der Kategorien ein wenig komplizierter, denkt aber immer noch in Kategorien, die an Hand des Verhaltens beim Sex bestimmte Verhaltensweisen in der Lebensrealität vorschreiben. Was ist denn mit einem Cutie, der einen großen Schwanz hat? Bei schwuler Mathematik für Fortgeschrittene lässt sich die so simple Gleichung schon nicht mehr lösen.

Es geht jetzt nicht darum, dass jede Art von Festlegung von vorne herein schlecht sei, dass alle im Flipflop-Modus ficken sollen. Was man aber durchaus hinterfragen sollte, ist: Wie frei ist unser Sex wirklich? Wie stark lassen wir uns von Regeln bestimmen?

Oben und unten, Top und Bottom beschreiben nicht nur die sexuelle Rolle, sie weisen auch Eigenschaften zu. Dem Bottom kommt unterschwellig eine feminine Rolle zu, weil er penetriert wird. Feminin heißt hier aber nicht weiblich per se, sondern alles was als weibliche Eigenschaften gesehen wird, was in irgendeiner weise „weich“, „süß“, „passiv“ ist – und damit eben nicht männlich. Der Top dagegen ist komplett in der Machoschiene und bedient sich allem, was als „maskulin“ gesehen wird.

Wir sind vielleicht in der zweiten Dekade des 21. Jahrhunderts, aber es gibt bestimmt noch immer Männer, die sich nicht ficken lassen wollen, weil sie es als „unmännlich“ empfinden. Die beiden Polen „männlich“ und „weiblich“ als Überkategorie für ein ganzes Set von Eigenschaften, der ganze Unsinn, der am „Geschlecht“ festgemacht wird, setzt sich im Sex zwischen Männern fort, obwohl der Sex als solcher schon aus der Norm fällt. Wir sind nicht Teil dieser Ordnung, aber weil wir in ihr großwerden, schreiben wir sie in unserem Sex fort.

Bottom war meine Kategorie, mein Zuhause, meine Zuweisung

Sexuelle Positionen sind nichts als temporäre Ränkespiele, die wir immer wieder aushandeln, die aber nichts über uns als Person aussagen sollten

Als ich meine Sexualität entdeckte und erforschte, war ich auf der Suche nach Deutungsangeboten. Ich war konfrontiert mit den Kategorien „aktiv“ und „passiv“ und kam nicht auf die Idee, sie zu hinterfragen oder gar aufzubrechen. Ich hatte das Gefühl ich müsse mich festlegen und entschied mich dazu „passiv“ zu sein. Diese Entscheidung prägte meine Selbstwahrnehmung, prägte die Wahrnehmung anderer von mir und schrieb mir ein bestimmtes Verhalten ein.

Im Laufe der Jahre hatte ich auch aktiven Analsex, aber meine Heimat war immer der passive Part. Ich war ein Bottom. Das war meine Identität, meine Kategorie, mein Zuhause, meine Zuweisung. Es fiel mir schwer, das aufzubrechen. Es fiel mir schwer, jemanden zu ficken, auch wenn es mir Spaß machte. Ich verstand nicht, wie ich mich gegenüber jemanden in einer Beziehung verhalten solle, wenn die Rollen aufbrachen. Die Kategorien waren so stark in mein Weltbild eingeschrieben, dass ich nicht anders konnte, als an mir zu zweifeln, wenn sie sich auflösten.

Als der Jüngere, der Kleinere, der mit weniger Kaufkraft, derjenige, der beschützt werden wollte, war mir einfach klar, dass ich beim Sex empfangen musste. Im Umkehrschluss hatte ich das Gefühl, nichts geben, nichts anbieten zu können. Ein ganzer Machtapparat ging in der Spannung zwischen meiner Vorder- und Hinterseite vor. Das persönliche Auftreten wird sofort mit der sexuellen Rolle in Verbindung gesetzt. Ein „Cutie“ kann, wenn er aufbegehrt, vielleicht ein „power bottom“ sein, aber dass er aktiven Analsex hat? Come on, leg dich lieber hin und mach die Beine breit…

Im Laufe der Jahre löste ich mich von diesen festen Zuweisungen, begann zu verstehen, dass sie nichts über mich als Person aussagen müssen, aber können. Schüchternheit ließ sich leichter ablegen, wenn ich mich spielerisch in die Position des Aktiven begab. Und das ist genau der Punkt: Wir sollten diese Rollen nicht zu ernst nehmen, denn es sind nichts weiter als ebendas – Rollen. Temporäre Ränkespiele, die wir immer wieder aushandeln, die aber nichts über uns als Person aussagen sollten. Es ist nicht männlich, jemanden zu ficken, es ist nicht männlich, gefickt zu werden – es ist im besten Falle Spaß und sexuell befriedigend.

Eigentlich sind wir doch alle Legosteine, wir passen von beiden Seiten aufeinander. Der Rest ist nichts weiter als ein Spiel.

(C) Kevin Junk